@0x_Punisher behauptet: $10.000/Monat mit einem „Sweeper Bot“, der bereits entschiedene Outcomes kurz vor Auflösung für 99 ¢ kauft und bei $1 einlöst. Wir haben die Wallet geprüft und die Profit-Math nachgerechnet. Das Brutto-Maximum liegt bei ~$4.000/Monat. Nach Fees: wahrscheinlich Verlust.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anteil Trades ≥ 99 ¢ | 89,3 % |
| Anteil Trades ≥ 95 ¢ | 98,4 % |
| Anteil Trades 45–80 ¢ | 0,6 % |
| Handelsrichtung | 100 % BUY / 0 % SELL |
| Trades pro Tag | 12,3 |
| Märkte | BTC / ETH / SOL / BNB / XRP (5–15 Min Kerzen) |
Datenquelle: Polymarket Trade-API · Zeitraum 24.03.–16.08.2026 · Alle Positionen bis zur Auflösung gehalten, kein einziger SELL-Trade.
Resolution Arb ist eine echte, dokumentierte Methode. Die Logik ist einfach: Kurz bevor ein 5-Minuten-BTC-Kontrakt aufgelöst wird, ist das Ergebnis faktisch entschieden — die Kerze hat geschlossen, die Richtung steht fest. Der Markt braucht aber noch Sekunden, um den Preis auf $1,00 zu bewegen. In diesem Fenster kauft der Bot für 98–99 ¢ und löst bei $1,00 ein.
Resolution Arbitrage existiert und funktioniert in der Theorie. Die Strategie ist real — kein erfundener Edge. Der Bot kauft tatsächlich was er behauptet: bereits entschiedene Outcomes kurz vor Auflösung. Dieser Teil des Claims stimmt.
Der „Ohne-Top-3-Test“ greift hier nicht: Da 100 % der Positionen bis zur Auflösung gehalten werden, gibt es keinen abrufbaren PnL pro Position — jede Position ist binär: Gewinn ($1,00) oder Verlust ($0,00). Stattdessen prüfen wir den Brutto-Maximum-Ansatz: Was kann dieser Bot maximal verdienen, selbst wenn er jeden einzigen Trade richtig trifft?
Schritt 1 — Brutto-Maximum bei 100 % Win-Rate:
Das ist die absolute Obergrenze bei perfekter Trefferquote und null Gebühren. Der Claim von $10.000/Monat übertrifft dieses Maximum um das 2,5-fache.
Schritt 2 — Polymarket-Taker-Fee einrechnen:
Selbst bei 100 % Trefferquote ist die Strategie nach Fees verlustbringend. Das Spread-Fenster (99 ¢ kaufen, $1,00 einlösen = 1 ¢ Marge je Share) ist zu schmal, um die ~2 %-Taker-Fee zu überkompensieren.
Das Brutto-Maximum liegt bei ~$4.000/Monat — das ist alles, was dieser Bot verdienen kann, und nur bei perfekter Trefferquote. Der behauptete Gewinn von $10.000/Monat ist 2,5-fach übertrieben. Nach realen Taker-Fees (−$6.669 Netto über 145 Tage) ist die Strategie wahrscheinlich verlustbringend.
Der zugehörige Artikel vom 26. Juli („Sweeper bot V2: Everything i got wrong“) trägt explizit den Paid Partnership-Tag — das ist bezahltes Inserat, keine unabhängige Alpha-Weitergabe. Der scheinbar selbstkritische Titel („Was ich falsch gemacht habe“) ist ein bewusst eingesetztes Vertrauens-Signal aus dem Influencer-Marketing-Handbuch.
Ein Twitter-Commenter hob einen direkten Widerspruch hervor:
„I saw the bot buying positions far from 99c instead. It bought in the range of 45c to 80c.“
Unsere Wallet-Daten bestätigen: 0,6 % der Trades lagen tatsächlich bei 45–80 ¢.
Das ist kein „bereits entschiedenes Outcome“ mehr — das ist ein
Richtungs-Signal-Trade mit echtem Verlustrisiko, der im Claim stillschweigend verschwiegen wird.
Zudem endet der Tweet mit einem Teaser: „Next post i show how the bot spots a decided outcome before anyone else.“ Das eigentliche „Alpha“ ist also noch gar nicht enthüllt. Dieser Post ist Werbung für den nächsten Post — vermutlich wieder Paid Partnership oder kostenpflichtiges Produkt.
Artikel mit Paid-Partnership-Tag wird als persönliche Alpha-Weitergabe framed. Bot kauft laut Wallet-Daten nachweislich auch in Bereichen (<80 ¢), die nicht „bereits entschieden“ sind — der Claim ist intern widersprüchlich.
Resolution Arb existiert und ist eine reale Methode. Der Bot kauft tatsächlich was er behauptet.
$10k/Monat ist 2,5× übertrieben. Brutto-Maximum ~$4.044/Mon. Nach Fees: Verlust.
Paid Partnership versteckt. 0,6 % Trades widersprechen dem „already decided“-Narrativ.
| Dimension | Verdikt | Begründung |
|---|---|---|
| Strategie (Resolution Arb existiert) | BESTANDEN ✓ | Dokumentierte Methode, real |
| Profit-Claim ($10k/Monat) | DURCHGEFALLEN ✗ | Brutto-Max $4k, netto negativ nach Fees |
| Transparenz (Paid Partnership) | DURCHGEFALLEN ✗ | Bezahltes Inserat, interner Widerspruch |
Methodische Grenzen
Dieser Fall folgt demselben Schema wie der Sharky-Arb-Bot: Edge real, Zahlen irreführend, kommerzieller Hintergrund verschleiert. Die Strategie funktioniert in der Theorie — Resolution Arb ist dokumentiert. Aber die Profit-Behauptung hält keiner Nachrechnung stand, und der Paid-Partnership-Tag macht den Artikel zur bezahlten Werbung.
Die gefährlichste Fehlinformation ist die, die zu 90 % stimmt. Wer weiß, dass die Strategie existiert, glaubt automatisch auch den Zahlen. Proof-of-Loss-Regel: Strategie und Zahlen getrennt prüfen — das Eine sagt nichts über das Andere aus.