Deep-Dive · On-Chain · August 2026

Der Sharky-Arb-Bot

Proof of Loss: Bestanden mit Vorbehalten

@paonx_eth behauptet: Bot aus $1.400 gemacht zu $965.388, 99,3 % Win-Rate, 32.614 Trades, Polymarket-Arbitrage. Wir haben die Wallet on-chain geprüft — der Gewinn ist real, aber das Narrativ hat vier entscheidende Lücken.

Der Tweet-Claim
„Bot out of $1.4K → $965.388 · 99.3% Win Rate · 32,614 Trades · Polymarket Arbitrage“

Profil

Wallet 0x751a2b86…9ea1 · Pseudonym „Tremendous-Closet“ · On-Chain verifiziert
$965.388
Behaupteter Gesamt-P&L
10.500
Trades abrufbar (API-Cap)
94,6 ¢
Ø Kaufpreis
~$30 Mio
Gesch. Gesamtvolumen
Wallet verifiziert: 0x751a2b86…9ea1

Twitter-Handle @paonx_eth · Polymarket-Pseudonym: Tremendous-Closet. Die API liefert maximal 10.500 Trades (ab Offset 10.500 Error 400) — ob tatsächlich 32.614 Trades existieren, ist nicht unabhängig verifizierbar. Die folgenden Befunde basieren auf den 10.500 abrufbaren Trades.

Die 99,3 %‑WR‑Illusion

Der Kern des Falls · Kaufpreisverteilung der 10.500 Trades

Die 99,3 %‑Win-Rate ist nicht das Resultat eines überlegenen Signals — sie ist das mechanische Ergebnis des durchschnittlichen Kaufpreises. Wer Shares für 97 ¢ kauft und der Markt löst zu $1,00 auf, gewinnt strukturell über 97 % der Zeit. Das ist keine Skill, das ist Mathematik.

Preis ≥ 0,99 ¢ (fast aufgelöste Märkte)46,3 %
Preis 0,95 – 0,99 ¢32,9 %
Preis < 0,95 ¢ (echter Informationsvorsprung nötig)20,8 %
Ø Kaufpreis: 0,9464 ¢ → strukturell erwartete WR: ~94,6 %

79,2 % aller Kauforders liegen bei ≥ 0,95 ¢ — also in Bereichen, wo der Markt die Auflösung bereits einpreist. Bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von 94,64 ¢ ist eine Win-Rate von 94 – 99 % rein rechnerisch zu erwarten, ohne jede Prognoseleistung. Die 99,3 % sind kein Nachweis von Skill — kein Edge, nur Timing kurz vor Auflösung.

0,9464 ¢
Ø Kaufpreis (10.500 Trades)
~3 %
ROI auf ~$30 Mio. Volumen

Der Ohne-Top-3-Test

Kern-Prüfung des Proof-of-Loss-Standards

Der Tweet nennt explizit drei besonders profitable Kategorien als Highlights. Wir entfernen diese und prüfen, ob ein substanzieller Restgewinn übrig bleibt.

$965.388 − $54.460 (BTC 5-min) − $41.741 (BTC 15-min) − $50.000 (CS:GO B8) = +$819.187

Nach Abzug der drei im Tweet genannten Highlight-Positionen verbleiben +$819.187. Der Gewinn ist breit verteilt und nicht auf wenige Glückstreffer reduzierbar. Der Ohne-Top-3-Test ist bestanden.

+$819.187
Ohne die drei Highlights
85 %
Anteil des Restgewinns am Gesamt-PnL
Befund

Der Gewinn von ~$965k ist wahrscheinlich real und über viele Märkte verteilt. Er basiert auf ~$30 Mio. umgesetztem Volumen — ein echter, aber dünner Randgewinn von rund 3 %. Kein klassischer Arb-Edge, sondern Near-Certain-Market-Sniping in großem Maßstab.

Der JD-Vance-Blocker

Offene Position · Widerspricht dem Arbitrage-Narrativ

Der Tweet behauptet: Arbitrage-Bot. Arbitrage ist per Definition risikofrei und richtungsneutral. Eine offene Einzelposition von über einer Viertelmillion Dollar auf den US-Wahlausgang 2028 widerspricht diesem Anspruch fundamental.

500.000 Shares YES „Gewinnt JD Vance 2028?“ · Einstand 50 ¢ · aktuell 23 ¢ = −$134.746 unrealisiert

Gleichzeitig läuft eine Gegenposition auf der NO-Seite (+$134.750 unrealisiert). Das Duo ist delta-neutral — aber keineswegs ein automatisierter Arbitrage-Trade. Es ist politisches Spekulationshedging über $250.000 in einer Einzelwette auf einen mehrjährigen Wahlausgang. Das passt in keine gewöhnliche Bot-Logik.

Kernwiderspruch

Ein Arbitrage-Bot bindet keine Viertelmillion Dollar auf zwei Jahre in einem Wahlmarkt. Die Bezeichnung „Arbitrage“ ist falsch — aber aus einem anderen Grund, als wir zunächst geschrieben haben.

Korrigiert am 07.09.2026. An dieser Stelle stand ursprünglich, die Position sei eine „$250k-Direktional-Wette“ und „aktive Spekulation“. Das war falsch und widersprach unserem eigenen Absatz darüber: Beide Seiten sind gleich groß zu je 50 Cent gekauft. Es ist keine Wette, sondern ein geschlossenes Paar, das weder gewinnen noch verlieren kann. Was daran nicht zu Arbitrage passt, steht im Nachtrag unten.

Nachtrag · 07.09.2026

Drei Wochen später nachgemessen · dieselbe Wallet, dieselbe Methode

Nach der Veröffentlichung lief drei Wochen lang eine tägliche Nachbeobachtung der Wallet über die Polymarket-Datenschnittstelle. Sie sollte zeigen, ob die Strategie weiter so arbeitet wie beschrieben. Das Ergebnis fällt deutlicher aus als erwartet.

500.000 Anteile Ja zu 50 ¢  +  500.000 Anteile Nein zu 50 ¢  =  500.000 $ gebunden, Renditeerwartung null

Beide Seiten desselben Marktes, gleiche Stückzahl, gleicher Einstand. Ein Paar aus Ja und Nein ist bei der Auflösung exakt einen Dollar wert — gekauft wurde es für exakt einen Dollar. Heute steht Ja bei 24,6 und Nein bei 75,3 Cent; die beiden Hälften heben sich auf den Dollar genau auf. Die Position kann bis 2028 nichts abwerfen, lässt sich aber jederzeit wieder in USDC auflösen.

Kennzahl17.08.202607.09.2026
Ø-Kaufpreis94,6 ¢90,9 ¢
Anteil Käufe ab 95 ¢79,2 %63,4 %
Käufe unter 80 ¢0,6 %14,0 %
Offenes Kapital gesamt515.215 $
davon im geschlossenen Paar500.000 $ (97 %)
tatsächliches Handelsbuch15.215 $ · 14 Positionen
Der eigentliche Befund

Das beworbene Geschäft findet nur noch in Spurenmengen statt. 97 % des offenen Kapitals liegen in einer Position, die per Konstruktion nichts abwerfen kann, während für die „Arbitrage“ selbst 15.215 $ übrig sind. Und wo noch gehandelt wird, wird riskanter gekauft: Der Anteil der nahezu entschiedenen Aus­gänge ab 95 Cent ist von 79,2 auf 63,4 % gefallen, jeder siebte Kauf liegt inzwischen unter 80 Cent. Das ist keine Auflösungs-Arbitrage mehr, das ist Meinung.

Was der Nachtrag nicht sagt

  • Er sagt nichts über realisierte Gewinne. Gemessen ist das offene Buch. Die Datenschnittstelle gibt die Handelshistorie nur gedeckelt heraus (rund 10.500 Einträge), eine vollständige Gewinnrechnung seit dem 17. August ist damit nicht möglich. Die Aussage lautet: Das beworbene Geschäft ist geschrumpft — nicht: Es wird nichts mehr verdient.
  • Ein geschlossenes Paar ist kein Fehler. Gebundenes Kapital kann viele Gründe haben. Der Widerspruch entsteht erst durch die Werbung: Wer einen Bot als laufende Arbitrage-Maschine bewirbt, beschreibt nicht eine halbe Million Dollar im Wartezustand.

Verdikt

Proof-of-Loss-Standard · vier Behauptungen geprüft
BehauptungRealitätUrteil
„99,3 % Win-Rate" Ø-Kaufpreis 94,6 ¢ erklärt die WR mathematisch — kein Prognoseskill FALSCH
„$965k Profit" Wahrscheinlich real; verteilt über ~$30 Mio. Volumen (ca. 3 % ROI) BESTANDEN
„Arbitrage-Bot" Falsch — Near-Certain-Market-Sniping; dazu 500.000 $ in einem geschlossenen Ja/Nein-Paar gebunden (s. Nachtrag) FALSCH
„$1.400 Startkapital" Irreführend — reales Kapital rotiert über ~$30 Mio.; Startkapital bedeutungslos FALSCH
Nachbaubar? Nein — erfordert Millionen USDC + Sub-Sekunden-Infrastruktur + große Kapitalkosten NEIN
Profit: Bestanden

Der Gesamtgewinn von ~$965k ist wahrscheinlich real und überlebt den Ohne-Top-3-Test mit über $819k. Ein echter, breit verteilter Randgewinn über großes Volumen.

Narrativ: Durchgefallen

99,3 % WR ist Mathematik, kein Skill. „Arbitrage“ ist falsch. „$1.400 Start“ ist irreführend. Die JD-Vance-Position widerspricht dem Bot-Anspruch direkt.

Grenzen dieser Analyse

  • API-Cap bei 10.500 Trades: Die verbleibenden ~22.000 Trades (falls real) sind nicht abrufbar. Die Kaufpreisverteilung könnte sich verschieben, obwohl der beobachtete Trend sehr konsistent ist.
  • Gesamtvolumen extrapoliert: Die ~$30 Mio. sind eine Hochrechnung aus 10.500 Trades. Das tatsächliche Volumen kann abweichen.
  • Gesamtgewinn unabhängig ungeprüft: Die $965.388 stammen aus dem Tweet. Eine direkte Verifikation über alle 32.614 Trades ist wegen des API-Caps nicht möglich.
  • JD-Vance-Position unrealisiert: Die genannten Verlust-/Gewinnzahlen beziehen sich auf den Stand zum Zeitpunkt der Analyse. Positionen können sich verändern.

Unsere Methodik erklärt ausführlich, wie wir testen und was unsere Analyse leisten — und nicht leisten — kann.