Profit-Math · On-Chain · August 2026

Der Sweeper Bot

Proof of Loss: Durchgefallen

@0x_Punisher behauptet: $10.000/Monat mit einem „Sweeper Bot“, der bereits entschiedene Outcomes kurz vor Auflösung für 99 ¢ kauft und bei $1 einlöst. Wir haben die Wallet geprüft und die Profit-Math nachgerechnet. Das Brutto-Maximum liegt bei ~$4.000/Monat. Nach Fees: wahrscheinlich Verlust.

Der Tweet-Claim
„Making ~$10,000/month sweeping already decided outcomes on Polymarket at 99¢ before resolution“ — @0x_Punisher, 17.08.2026

Profil

Wallet 0x13f0bcec…a50f · Pseudonym „Caring-Memory“ · On-Chain verifiziert
1.781
Trades gesamt
145 Tage
24.03.–16.08.2026
98,53 ¢
Ø Kaufpreis
$1,31 Mio
Gesamt investiert
KennzahlWert
Anteil Trades ≥ 99 ¢89,3 %
Anteil Trades ≥ 95 ¢98,4 %
Anteil Trades 45–80 ¢0,6 %
Handelsrichtung100 % BUY / 0 % SELL
Trades pro Tag12,3
MärkteBTC / ETH / SOL / BNB / XRP (5–15 Min Kerzen)

Datenquelle: Polymarket Trade-API · Zeitraum 24.03.–16.08.2026 · Alle Positionen bis zur Auflösung gehalten, kein einziger SELL-Trade.

Die Strategie

Resolution Arbitrage — real und bekannt

Resolution Arb ist eine echte, dokumentierte Methode. Die Logik ist einfach: Kurz bevor ein 5-Minuten-BTC-Kontrakt aufgelöst wird, ist das Ergebnis faktisch entschieden — die Kerze hat geschlossen, die Richtung steht fest. Der Markt braucht aber noch Sekunden, um den Preis auf $1,00 zu bewegen. In diesem Fenster kauft der Bot für 98–99 ¢ und löst bei $1,00 ein.

Preis ≥ 99 ¢ (nahezu aufgelöste Märkte)89,3 %
Preis 95–99 ¢9,1 %
Preis < 95 ¢ (Risiko-Trades)1,6 %
Strategie — Bestanden

Resolution Arbitrage existiert und funktioniert in der Theorie. Die Strategie ist real — kein erfundener Edge. Der Bot kauft tatsächlich was er behauptet: bereits entschiedene Outcomes kurz vor Auflösung. Dieser Teil des Claims stimmt.

Die Profit-Math — das Herzstück des Falls

Was mathematisch möglich ist · Ohne-Top-3 nicht anwendbar

Der „Ohne-Top-3-Test“ greift hier nicht: Da 100 % der Positionen bis zur Auflösung gehalten werden, gibt es keinen abrufbaren PnL pro Position — jede Position ist binär: Gewinn ($1,00) oder Verlust ($0,00). Stattdessen prüfen wir den Brutto-Maximum-Ansatz: Was kann dieser Bot maximal verdienen, selbst wenn er jeden einzigen Trade richtig trifft?

Schritt 1 — Brutto-Maximum bei 100 % Win-Rate:

Gekaufte Shares = $1.310.163 ÷ 0,9853 = ~1.329.697 Shares
Brutto-Gewinn (theoretisch) = $1.329.697 − $1.310.163 = $19.534 über 145 Tage
Pro Monat (145 Tage ÷ 4,83) = ~$4.044 / Monat Brutto-Maximum

Das ist die absolute Obergrenze bei perfekter Trefferquote und null Gebühren. Der Claim von $10.000/Monat übertrifft dieses Maximum um das 2,5-fache.

Schritt 2 — Polymarket-Taker-Fee einrechnen:

Geschätzte Fees: ~2 % × $1.310.163 Volumen = $26.203 über 145 Tage
Netto = $19.534 − $26.203 = −$6.669 (Verlust)

Selbst bei 100 % Trefferquote ist die Strategie nach Fees verlustbringend. Das Spread-Fenster (99 ¢ kaufen, $1,00 einlösen = 1 ¢ Marge je Share) ist zu schmal, um die ~2 %-Taker-Fee zu überkompensieren.

$10.000/Mon
Behaupteter Gewinn
~$4.044/Mon
Brutto-Maximum (100 % WR, keine Fees)
−$6.669
Gesch. Netto nach Fees (145 Tage)
2,5×
Übertreibungsfaktor im Claim
Profit-Claim — Durchgefallen

Das Brutto-Maximum liegt bei ~$4.000/Monat — das ist alles, was dieser Bot verdienen kann, und nur bei perfekter Trefferquote. Der behauptete Gewinn von $10.000/Monat ist 2,5-fach übertrieben. Nach realen Taker-Fees (−$6.669 Netto über 145 Tage) ist die Strategie wahrscheinlich verlustbringend.

Paid Partnership & interner Widerspruch

Interessenkonflikt · Twitter-Commenter entblößt die Lücke

Der zugehörige Artikel vom 26. Juli („Sweeper bot V2: Everything i got wrong“) trägt explizit den -Tag — das ist bezahltes Inserat, keine unabhängige Alpha-Weitergabe. Der scheinbar selbstkritische Titel („Was ich falsch gemacht habe“) ist ein bewusst eingesetztes Vertrauens-Signal aus dem Influencer-Marketing-Handbuch.

Ein Twitter-Commenter hob einen direkten Widerspruch hervor: „I saw the bot buying positions far from 99c instead. It bought in the range of 45c to 80c.“
Unsere Wallet-Daten bestätigen: 0,6 % der Trades lagen tatsächlich bei 45–80 ¢. Das ist kein „bereits entschiedenes Outcome“ mehr — das ist ein Richtungs-Signal-Trade mit echtem Verlustrisiko, der im Claim stillschweigend verschwiegen wird.

Zudem endet der Tweet mit einem Teaser: „Next post i show how the bot spots a decided outcome before anyone else.“ Das eigentliche „Alpha“ ist also noch gar nicht enthüllt. Dieser Post ist Werbung für den nächsten Post — vermutlich wieder Paid Partnership oder kostenpflichtiges Produkt.

Transparenz — Durchgefallen

Artikel mit Paid-Partnership-Tag wird als persönliche Alpha-Weitergabe framed. Bot kauft laut Wallet-Daten nachweislich auch in Bereichen (<80 ¢), die nicht „bereits entschieden“ sind — der Claim ist intern widersprüchlich.

Duales Verdikt

Drei Dimensionen · zwei Durchgefallen
Strategie

Resolution Arb existiert und ist eine reale Methode. Der Bot kauft tatsächlich was er behauptet.

Profit-Claim

$10k/Monat ist 2,5× übertrieben. Brutto-Maximum ~$4.044/Mon. Nach Fees: Verlust.

Transparenz

Paid Partnership versteckt. 0,6 % Trades widersprechen dem „already decided“-Narrativ.

DimensionVerdiktBegründung
Strategie (Resolution Arb existiert)BESTANDEN ✓Dokumentierte Methode, real
Profit-Claim ($10k/Monat)DURCHGEFALLEN ✗Brutto-Max $4k, netto negativ nach Fees
Transparenz (Paid Partnership)DURCHGEFALLEN ✗Bezahltes Inserat, interner Widerspruch

Methodische Grenzen

  • Ohne-Top-3 nicht anwendbar: Da alle Positionen bis zur Resolution gehalten werden, gibt es keinen per-Position-PnL. Alle Trades sind binär: Gewinn ($1,00) oder Verlust ($0,00).
  • Fee-Schätzung: Die ~2 %-Taker-Fee basiert auf öffentlichen Polymarket-Konditionen. Exakte Kosten können je nach Marktliquidität und VIP-Status leicht abweichen.
  • Realer PnL unbekannt: Der tatsächlich realisierte Netto-PnL des Bots (nach Verlusten durch fehlerhafte Calls) ist per API nicht einsehbar. Unsere Rechnung setzt 100 % Win-Rate voraus — der tatsächliche Bruttowert ist daher niedriger.

Lektion

Das Muster hinter dem Case

Dieser Fall folgt demselben Schema wie der Sharky-Arb-Bot: Edge real, Zahlen irreführend, kommerzieller Hintergrund verschleiert. Die Strategie funktioniert in der Theorie — Resolution Arb ist dokumentiert. Aber die Profit-Behauptung hält keiner Nachrechnung stand, und der Paid-Partnership-Tag macht den Artikel zur bezahlten Werbung.

Die gefährlichste Fehlinformation ist die, die zu 90 % stimmt. Wer weiß, dass die Strategie existiert, glaubt automatisch auch den Zahlen. Proof-of-Loss-Regel: Strategie und Zahlen getrennt prüfen — das Eine sagt nichts über das Andere aus.

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